Zuletzt aktualisiert am 04.11.2026
Auf der Packung lachen glückliche Hunde, darunter stehen Worte wie „Premium“, „natürlich“ oder „mit frischem Huhn“. Klingt gut. Aber was steckt wirklich im Napf?
Ich sage es ganz offen: Nicht jedes Fertigfutter ist schlecht, und nicht jedes teure Futter ist gut. Aber die Futtermittelindustrie ist vor allem eines: eine Industrie. Und Marketing ist oft deutlich kreativer als die Rezeptur. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du hinter die schöne Verpackung schaust und ein Futter findest, das wirklich zu deinem Hund passt.
Was Werbeversprechen wirklich bedeuten
Viele Begriffe auf Futterpackungen klingen nach Qualität, sagen aber wenig aus. Andere sind tatsächlich geregelt, nur eben anders, als man denkt.
| Auf der Packung steht | Was das bedeutet |
|---|---|
| „Huhn“ im Produktnamen, z. B. „Huhn-Menü“ | Mindestens 26 % Huhn |
| „reich an Huhn“ / „mit viel Huhn“ | Mindestens 14 % Huhn |
| „mit Huhn“ | Mindestens 4 % Huhn |
| „Geschmack nach Huhn“ | Huhn muss nur erkennbar sein, die Menge ist nicht festgelegt |
| „Premium“, „Gourmet“, „Holistic“ | Keine gesetzliche Definition, reiner Werbebegriff |
| „natürlich“ | Bezieht sich oft nur auf einzelne Zutaten, nicht auf das ganze Futter |
| „getreidefrei“ | Kein Getreide, aber oft viel Kartoffel, Erbsen oder Linsen als Ersatz |
Mein Tipp: Lass dich nicht von der Vorderseite der Packung leiten. Dreh sie um und lies die Zusammensetzung.
Offene oder geschlossene Deklaration?
Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte überhaupt.
- Geschlossene Deklaration: Da stehen Sammelbegriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“, „pflanzliche Nebenerzeugnisse“ oder „Getreide“. Was genau drin ist und wie viel, erfährst du nicht. Die Zusammensetzung darf sich sogar von Charge zu Charge ändern.
- Offene Deklaration: Jede Zutat wird einzeln mit Prozentangabe genannt, zum Beispiel „Rindfleisch 40 %, Rinderherz 15 %, Kartoffeln 10 %“. So weißt du genau, was dein Hund frisst.
Ein Hersteller, der nichts zu verbergen hat, deklariert offen. Wie du eine Deklaration Schritt für Schritt liest, erkläre ich ausführlich in meinem Ratgeber zur Hundefutter-Deklaration.
Typische Schwachstellen in Industriefutter
Das hier findest du in vielen günstigen, aber auch in manchem teuren Futter:
- Wenig Fleisch, viel Füllstoff: Getreide oder andere pflanzliche Bestandteile stehen ganz vorne in der Zutatenliste. Die Reihenfolge verrät dir, wovon am meisten drin ist.
- Zucker und Karamell: machen das Futter schmackhafter und färben es appetitlich. Dein Hund braucht beides nicht.
- Lockstoffe und Aromen: sorgen dafür, dass auch ein mittelmäßiges Futter gierig gefressen wird.
- Künstliche Farbstoffe: dienen nur uns Menschen, damit das Futter „lecker“ aussieht.
- Synthetische Konservierungsstoffe wie BHA oder BHT: In der EU zugelassen, aber für mich vermeidbar. Natürliche Alternativen wie Vitamin E (Tocopherole) gibt es längst.
- Ungenaue Angaben wie „Öle und Fette“ oder „Mineralstoffe“ ohne nähere Erklärung.
Wichtig: Ein einzelner dieser Punkte macht ein Futter nicht automatisch schlecht. Aber je mehr davon zusammenkommen, desto kritischer würde ich hinschauen.
Trockenfutter, Nassfutter oder selbst gekocht?
Es gibt nicht die eine richtige Fütterungsform. Jede hat Vor- und Nachteile:
| Vorteile | Darauf achten | |
|---|---|---|
| Trockenfutter | Praktisch, lange haltbar, gut zu dosieren | Wird stark verarbeitet, enthält kaum Feuchtigkeit. Dein Hund muss genug trinken. |
| Nassfutter | Hoher Feuchtigkeitsgehalt, oft höherer Fleischanteil, schonender verarbeitet | Geöffnete Dosen gekühlt lagern, auf offene Deklaration achten |
| BARF / selbst gekocht | Volle Kontrolle über die Zutaten | Braucht Wissen und eine ausgewogene Rezeptur, sonst drohen Mangel oder Überversorgung |
Welche Form am besten passt, hängt von deinem Hund ab: von Alter, Gesundheit, Aktivität und auch von deinem Alltag.
Woran du ein gutes Futter erkennst
Diese Checkliste hilft dir beim Einkauf:
- ✅ Offene Deklaration mit Prozentangaben
- ✅ Fleisch steht an erster Stelle und ist genau benannt, zum Beispiel „Rindfleisch“ statt „Fleisch“
- ✅ Kein Zucker, keine künstlichen Farb- und Lockstoffe
- ✅ Natürliche Konservierung oder keine
- ✅ Alleinfuttermittel, damit alle Nährstoffe enthalten sind
- ✅ Passend zu deinem Hund: Alter, Größe, Aktivität und eventuelle Unverträglichkeiten
- ✅ Dein Hund verträgt es gut: fester Kot, glänzendes Fell, gleichbleibendes Gewicht und gute Laune
Die ausführliche Version zum Ausdrucken findest du in unserer kostenlosen Checkliste: Gutes Hundefutter finden.
💛 Mein Weg: Füttern mit Blick aufs Ganze
Ich bin keine Verfechterin einer bestimmten Fütterungsform. Mein Grundsatz ist: Weil passend besser ist. Ein Futter ist dann gut, wenn es zu genau diesem Hund passt, und nicht, weil es teuer ist oder schön beworben wird. Mein persönliches Lieblingsfutter für Alma und Hannes kennst du vielleicht schon. Aber auch das empfehle ich nur, wenn es zum jeweiligen Hund passt.
📖 Lesetipp: Unser Buch zum Basiswissen der Hundeernährung
Du möchtest tiefer einsteigen und verstehen, was dein Hund wirklich braucht? In unserem Buch erklären wir die Grundlagen der Hundeernährung verständlich und ohne Fachchinesisch. Es geht nicht um die eine richtige Fütterungsmethode, sondern darum, Ernährung besser zu verstehen und bewusster zu entscheiden.
Du bist unsicher, ob das Futter deines Hundes wirklich das hält, was es verspricht? Dann schau ich mir die Zusammensetzung gern mit dir zusammen an.
Häufige Fragen
Ist teures Futter automatisch besser?
Nein. Der Preis sagt wenig über die Qualität. Es gibt teure Futter mit geschlossener Deklaration und viel Füllstoff und gute Futter zu fairen Preisen. Entscheidend ist die Zusammensetzung.
Woran erkenne ich, ob das Futter meinem Hund guttut?
An deinem Hund selbst: Ist der Kot fest und gleichmäßig? Glänzt das Fell? Hält er sein Gewicht? Ist er fit und zufrieden? Häufiger weicher Kot, Juckreiz oder stumpfes Fell können Hinweise sein, dass das Futter nicht optimal passt.
Sollte ich das Futter regelmäßig wechseln?
Nicht ohne Grund. Wenn dein Hund ein Futter gut verträgt, gibt es keinen Anlass für ständige Wechsel. Eine Umstellung sollte immer langsam über mehrere Tage erfolgen.
Wo kann ich Futter vergleichen?
In unseren Hundefutter-Vergleichen haben wir viele Sorten nach Zusammensetzung und Deklaration für dich unter die Lupe genommen.
Fazit
Die Futtermittelindustrie verkauft gern schöne Bilder und große Versprechen. Lass dich davon nicht blenden. Dreh die Packung um, lies die Zusammensetzung und achte auf eine offene Deklaration ohne unnötige Zusätze. Und vor allem: Schau auf deinen Hund. Er zeigt dir am besten, ob ein Futter zu ihm passt.
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